Gedanken zur technischen Nachhaltigkeit von CMS-Events


#1

Hallo Zusammen,

ich bin ja mit medialler Technik besser aufgestellt als mit einem CMS, und durch das was ich inzwischen mache, und die Erfahrungen vom DrupalCamp Munich 2016, wollte ich eigentlich eine CMS-übergreifende Idee umsetzen, für die mir als Privatperson allerdings das Kleingeld fehlt.

Um die Spannungskurve nicht weiter aufzubauen, es handelt sich um die Aufzeichnung der Vortrage auf CMS-Events.

Problem in München beim #DCMuc16

  • Das Video-Team kostete uns rund 1500,- Euro pro aufgezeichneten Raum
  • Durch Kommunikationsprobleme fehlten uns von vielen Speakern die Einwilligung zur Veröffentlichung
  • Es wurde hinterher festgestellt, dass die Folien doch nicht verwendet werden und nochmals von den Speakern eingefordert werden mussten
  • Durch den Aufwand der nach dem Event betrieben werden musste wurden die Daten doch nicht mehr sinnvoll verwendet, da es dann über ein halbes Jahr gedauert hatte, bis der Großteil verwertbar war
  • (Ohne dass sich nicht eine Firma dazu bereit erklärt hätte sich dem Thema anzunehmen, hätten wir nur Ausgaben, aber tatsächlich garkein Material gehabt)

Die Lösung sehe ich entweder in einem zentralen Dienst/Team/Equipmentpaket, dass den CMSen zur Verfügung gestellt werden kann. Diesen Beitrag schriebe ich, da ich heute kurz mit @luckow telefoniert hatte, und er erwähnte, dass @d.jardin bereits an einem ähnlichen Thema dran ist. Seinen Vorschlag daraus einen Vortrag bei der Unconference 2017 zu machen kann ich leider nicht wahrnehmen, da ich an dem Wochenende bei einem Event in München eingesetzt bin.

Ich möchte Euch aber kurz “meine Lösung” mit auf dem Weg geben, falls das Thema auf der Agenda stehen sollte.

Live-Video-Schnitt und Broadcasting Paket in FullHD

  1. Hardwarepaket, bestehend aus
  • Live Produktionsmischer (vier Eingänge, Ausstattung abhängig von Flexibilität)
    ** z.B. Blackmagic Design ATEM Television Studio HD Production Switcher
    ** z.B. Roland VR-4HD
    ** z.B. Roland VR50-HD
  • Kamera(s) mit Low-Light Eigenschaften (großer Grafik-Chip, lichtstarkes Objektiv) und HDMI Ausgang
  • Notebook mit ausreichender Ausstattung zur sinnvollen Nutzung von OBS (Grafikprozessor, Arbeitsspeicher und HDD)
  • ggf. zweites (billiges) Notebook um Titel und Logos einzublenden
  • Je nach Mischer werden Kontrollmonitore benötigt
  • Nach Wunsch wird eine redundante Aufnahme empfohlen
    ** z.B. mit einem Atmos Rekorder
  • Diverse Speichermedien
  • Diverse Kabel
  • ggf. Funkmikrofone und Richtmikrofon, falls der Ton der eingesetzen Anlage nicht abgegriffen werden kann, oder keine Anlage vorhanden ist
  • passende Cases zum Schutz beim Transport
  • Stative für die Kameras
  1. Personeller Aufwand
  • Der Aufbau des Equipments sollte von einer Person innerhalb von 1-1,5 Stunden erledigt sein
  • Der Abbau benötigt tendenziell weniger Zeit
  • Vor einer Session wird mit dem Speaker geklärt ob aufgezeichnet werden darf, ggf, mit unterzeichnetem Vertrag, und dem entsprechend die Verkabelung vorgenommen
  • Über OBS wird die Aufnahme und/oder das Live-Streaming gestartet
  • Während dem Vortrag kann das Video Live geschnitten werden (z.B. Kamera auf Speaker, Publikum und mit Bild in Bild oder im Wechsel das Bild vom Notebook. Darüber hinaus kann das Logo, der Titel und andere Einblendungen vorgenommen werden)
  • Nach der Session wird die Aufnahme und ggf der Stream beendet und das Video kann direkt zur weiteren Verarbeitung weitergeggeben, oder veröffentlicht werden
  1. Finanzieller Aufwand
  • Je nach Ausstattung gehe ich von ca. 8.000,- bis 15.000,- Euro pro Raum aus, abhängig von der Anzahl der aufzunehmenden Speaker, und der Flexibilität hinsichtlich der Videoquellen (RGB am Mischer wird teuerer, alternativ können auch Konverter eingesetzt werden, etc. Teuere Mischer können aber z.B. auch bereits auf USB gespeicherte Grafiken als Titel- und Logoeinblendung verwerten, und machen einen zusätzlichen Rechner überflüssig.)
  • Die Personen die die Technik bedienen sollten als Volunteer zumindest freie Anfahrt, Unterkunft und Verpflegung bekommen. Wenn der Event-Etat mehr hergibt, ist sicherlich kein Helfer traurig. (;
  • Transport- und Lagerkosten
  1. Mehrwert
  • Es kann eine Liveübertragung aus dem Vortragsraum im lokalen Netzwerk des Events stattfinden (auf zentral aufgestellte Ausgabegeräte, aber auch auf die Geräte der Teilnehmer)
  • Es kann eine Liveübertragung auf die SocialMedia-Kanäle stattfinden (insofern die Badnbreite der Datenleitung ausreicht)
  • Die Sessions/Vorträge können der Community zur Verfügung gestellt werden und…
    …locken neue User an.
    …werben für diese Art der Events
    …locken Speaker durch die Möglichkeit sich selbst zu vermarkten.
    …bringen Sponsoren, da sie durch Logo-Einblendung (z.B. im Abspann) eine breitere Streuung der Marke haben
    …bieten neuen Content für die einzelnen CMSe.
    …bieten zentralen Content für den CMS-Garden.

Natürlich besteht ein kleiner Unterschied zwischen ca. 1500,- Euro für einen externen Dienstleister pro Raum, und die einmaligen ca. zehnfachen Anschaffungskosten. Wenn ich allerdings den zeitlichen Aufwand nur in dieses eine DrupalCamps rechne (Mitarbeiter des Video-Teams während dem Event und bei der Post-Produktion, Camp-Orga vor, während und nach dem Event, zwei bis drei weitere Personen die nach dem Event mehreren Speakern nachlaufen mussten um eine Unterschrift und die Slides zu erhalten), dann wäre es mir lieber gewesen, wenn ich auf ein fertiges Paket hätte zugreifen können.

Meine Empfehlung
Ich würde vermutlich einmal das Paket mit der Vollausstattung (mit dem Roland VR50-HD, zwei Kameras, einem Notebook, mehreren Mikrofonen und Kleinteilen) für den Hauptraum, sowie Keynotes, Intros, Anfangs- und Schlusssessions, etc. anschaffen. Darüber hinaus bis zu drei kleine Pakete, die ggf. miteinander kombiniert werden können, wenn es die Umstände erfordern. Das sollte, hinsichtlich Anforderungen, die meisten Events abdecken.

Ich bin auf Euer Feedback, Eure Gedanken und Eure Fragen gespannt.
Vllt hab ich auch, wg der Uhrzeit, auch irgendetwas vergessen, was ich eigentlich für wichtig halte. ^^


#2

Hi Floh,

wie der Kollege Luckow richtig angemerkt hat, haben wir hier über die Jahre ein wenig Know-How und Equipment angesammelt, dass ich dir natürlich nicht vorenthalten will :wink:

Problemstellung:
Für uns gab es zwei Hauptprobleme, die wir lösen wollten:

  1. mit unserem “alten” Setup (eine Hand voll olle Camcorder und Funkmikros) haben wir nach einem Event oft Wochen gebraucht, bis die Nachbearbeitung (Material sichten und ordnen, Intro-Video dran setzen, Video in Template setzen, Abspann dran bauen, rendern und hochladen) durch war - das hat erstens enorme zeitliche Ressourcen gebraucht und zweitens dazu geführt, dass die Inhalte schon wieder “alt” waren wenn wir sie endlich hochladen konnten.
  2. durch die Lichtverhältnisse ergibt sich quasi zwangsläufig, dass das abgefilmte Beamerbild echt beschissen lesbar war - und da bei techniklastigen Events der Output vom Beamer doch deutlich spannender ist, als das verschüchterte Gesicht des Vortragenden, fehlte uns hier der wichtigste Teil einer gelungenen Aufzeichnung

Anforderungen an die Lösung

  1. eine wie auch immer geartete Lösung sollte ein Budget von 15k (für einen Hauptraum und 4 Breakout Räume) nicht überschreiten
  2. Live-Schnitt und -Streaming sollte möglich sein, damit das fertige Video sofort im Anschluss an die jeweilige Session hochgeladen werden kann
  3. der Betrieb sollte in verschiedenen europäischen Ländern möglich sein
  4. das fertige Video soll aus einem Vorspann (entweder statisches Bild oder Video), dem “Hauptbild” (ein Splitscreen mit einem kleinen Kamerabild des Sprechers sowie dem großen Laptop-Output besteht) und einem Abspann bestehen
  5. wir brauchen keine Studio-Qualität - es darf mal knacken, es darf mal wackeln, hauptsache das Grundziel “Transport der gezeigten Inhalte über das Video” wird erreicht. Vertretbarer Aufwand für ein vertretbares Ergebnis.

Unser Setup

  • Hauptraum
    • 1 Recording Laptop (i7 Windows Kiste mit 8GB RAM) mit OBS
    • 1 relativ billiger Camcorder auf einem Kugelkopfstativ
    • 1 kleines Mischpult mit USB-Anschluss, Audio-Feed kommt über die Hausanlage
    • 1 Kopfhörer
    • 2 USB3 Framegrabber (https://www.epiphan.com/products/dvi2usb-3-0/) die verschiedene Auflösungen (wir wollten uns nicht auf Full HD einschränken lassen) und Signalarten (VGA, HDMI, DVI) können
    • 1 HDMI to CAT Converter

Wir greifen das Laptop-Signal vorne am Rednerpult ab, geben es auf den CAT Converter und pusten uns das Signal dann per CAT Leitung auf die Rückseite des Raums, wo der Recording-Rechner steht, in den Rechner gehts dann per Framegrabber. Neben dem Rechner steht dann ebenfalls der Camcorder den wir ebenfalls per Framegrabber abgreifen. Audio kommt über die Saal-Anlage und geht ins Mischpult, von der per USB in den Rechner. Auf dem Rechner werden die Signale in OBS zusammengeführt, Grafiken und Texte drauf gelegt (Sprechername und Session-Titel), direkt während der Session “geschnitten” (wir haben nur eine Kamera, so viel zu tun ist da also nicht) und dann auf Festplatte gespeichert, nach der Session wird hochgeladen.

Ergebnis:

  • Breakout-Rooms
    • 1 Recording-Laptop (i5 Laptops mit 4GB RAM, hier ist die CPU leider für 1080p zu schwach weshalb wir mit 720p aufzeichen)
    • 1 Kopfhörer
    • 1 USB-Webcam auf Mini-Stativ
    • 1 kleines Mischpult mit USB-Anschluss, Audio-Feed kommt entweder über geliehene Funk-Mikros (eigene haben wir bewusst nicht gekauft, weil der europaweite Betrieb durch die unterschiedlichen Frequenzen und Anmeldepflichten ein ziemlicher Pain ist) oder über Tisch-Mikros (Grenzfläche) die wir auf das Rednerpult legen
    • 1 Framegrabber für das Laptop-Signal

In den Breakout-Rooms positionieren wir uns relativ weit vorne im Raum, weshalb wir keine langen Kabelwege (Stichwort CAT-Converter) oder Kameras mit Zoom (deswegen geht ne Webcam) brauchen. Die Aufnahmen laufen dann identisch wie im Hauptraum ab.

Logistik
Wir haben zwei hautpverantwortliche Hutträger für die Aufnahmen, die sich beim jeweiligen Event dann noch Helfer dazu suchen. Der Aufwand für den Aufbau liegt zu zweit bei ca. 3 Stunden, der Abbau geht in 1 Stunde. Das Equipment, so wie oben dargestellt, passt derzeit noch in ein Roadcase (120x45x60, 65kg) und ist sogar als Sperrgepäck mit Paketdiensten (DHL Express) versendbar, wir ergänzen das Material jedoch aktuell um eine “wir wandeln alles auf alles”-Kiste, die am Redner-Pult platziert wird und für den jeweiligen Speaker verschiedene Eingänge (VGA, HDMI, DP, USB-C) bereit stellt, das Signal für unsere Aufnahme splittet und dann für den Beamer auf VGA oder HDMI raus geben kann. Ebenfalls integriert ist ein Raspberry PI, der zwischen den Sessions ein bisschen Digital Signage (Sponsoren-Logos etc.) machen kann. Die Idee dafür haben wir uns bei den Kollegen von Wordpress geliehen :slight_smile:

Gelagert wird das gesamte Equipment (wir haben hier auch noch Netzwerk-Equipment, Deko, ne Kabeltruhe und vieles mehr) in einem Lagerraum.


#3

Hi Floh, auch noch ein Tip. Ich würde empfehlen anstelle der USB3 Framegrabber auf Gaming Recording devices zu setzen. Die sind sehr günstig, können HD (und HDMI). Beispiel: https://www.amazon.de/Elgato-Game-Capture-HD60-Technologie/dp/B01DRWCOGA/ref=pd_sim_147_4?_encoding=UTF8&psc=1&refRID=T0DRMB36DP2W6D0TBETZ


#4

@stefan.busemann mit den Gaming Recordern haben wir eher negative Erfahrungen gemacht. Wir beobachten auf Events oft das Sprecher mit den verrücktesten Geräten (iPhone mit HDMI Adapter…) auflaufen, deren Auflösung und Wiederholrate nicht mit dem sehr begrenzten Bereich der Recorder harmoniert, daher hier die bei uns doch etwas größere Investition.


#5

Ich möchte nur hinzufügen, dass es wohl sinnvoll ist, mit den gemeldeten Speakers bereits frühestmöglich eine schriftliche Vereinbarung zu treffen und diese auch darauf hinzuweisen, dass sie sich um Lizensierung von Bildmaterial in ihren Folien kümmern sollten.

Und eine Frage: Wäre es so gedacht, dass Camps sich das Equipment kostenlos ausleihen können oder gegen Gebühr (ideeller Betrieb vs. Zweckbetrieb) - und wer versichert’s?


#6

@meike.jung: wir handhaben das bei unserem Material so, dass der jeweilige Veranstalter die Reise- und Übernachtungskosten unseres Teammitglieds übernimmt, damit das für den jeweiligen Volunteer kostenneutral ist. Außerdem muss natürlich der Transport des Materials selbst sowie etwaige “Verbrauchsmaterialien” (Stichwort: Gaffatape) gezahlt werden.

Ein steuerliches Problem sehe ich da übrigens nichts, unser Vereinszweck ist z.B. die Förderung der Bildung im Bezug auf OpenSource und wenn durch unser Equipment ein Vortrag für eine großere Gruppe verfügbar ist, ist das somit eine Aktivität im Sinne des Vereinszwecks -> Zweckbetrieb.


#7

Hey David,
nur um es nochmal klar zu stellen:

  1. Wieviele von diesen Sets habt Ihr denn?
  2. War Deine Aussage bzgl. des Leihens nun mit Kosten oder unentgeltlich?

#8

Hi,

zu 1: wir haben 1 Set für den Hauptraum und 4 Sets für Breakout-Räume
zu 2: der Verleih an sich ist kostenlos, aber die “Drumherum”-Kosten (Unterbringung und Reise des Teams, Transport des Materials) sind zu tragen, damit uns dadurch keine Zusatzkosten entstehen.

Übrigens gibt es noch Neuigkeiten was die Setups angeht: wir haben vom Joomla-Mutterprojekt die Verwaltung des Videomaterials übernommen und haben nun nochmal 4 Sets für Breakout-Räume (ähnliches Setup wie unseres) und ein High-End-Set für den Hauptraum übernommen. Letzteres kommt deiner Urpsrungsidee mit einem 4K-Videomischer, 2 Kameras, Stative und gescheiten Rechnern für die Aufzeichnung ziemlich nah. Hier ist aber noch das zukünftige Prozedere für Verleih und Co zu klären.

LG
David


#9

Danke dafür.
@meike.jung wird sich mit Dir noch in Verbindung setzen. Wir sind grad bei der GzEvD zur Planung und haben das Thema behandelt.

4K hat ja keine meienr Lösungen umfasst, sondern auch nur 1080p, aber das dafür in allen Räumen. Die Hardware ist für die Aufgaben ausgelegt und für die BrackOuts mit 5000,- Euro pro Set auch noch akzeptabel. Aber dazu evtl. bei Gelegenheit mehr.

Hier noch meine beiden Szenarios grafisch dargestellt…


#10

Side note: die Rechner des Mutterprojekts fressen auch 1080p :wink:


#11

Aktuelle Anforderung für die “Drupal Europe” wäre:

  • 1 Raum zeichnet auf und streamt Live
  • 5 Räume zeichnen auf
  • Die ausgegebenen Videodaten (Aufzeichnung und Live) müssen 1080p haben

#12

Könnten wir mit beiden Kits zusammen abbilden.